Okt
02
2008

Artikel von Dr. Mary Enig (2. Teil)

II. Die funktionellen Eigenschaften von Laurinfetten in ihrer antimikrobiellen Wirkung

Auf einer Sonderkonferenz […] ist festgelegt worden, dass „ein funktionelles Lebensmittel einen zusätz­lichen gesundheitlichen Vorteil bietet, der die reine Versorgung mit Grundnährstoffen weit übertrifft.“

Und genau das tut die Kokosnuss: im Rohzustand, aber auch in verarbeiteter Form, z.B. getrocknet oder als Kokosöl. Als ein funktionelles Lebensmittel verfügen Kokosnüsse über Fettsäuren, die beim Verzehr sowohl Energie (Nährstoffe) als auch den Ausgangsstoff für anti­mikrobielle Fettsäuren und Monoglyceride (funktionelle Inhaltsstoffe) liefern. Getrocknete Kokosnüsse bestehen genau wie Kokoscreme zu 69 Prozent aus Kokosfett. Kokosvollmilch enthält etwa 24 Prozent Fett.

Laurinsäure macht etwa 50 Prozent der in Kokos­nüssen vorkommenden Fettsäuren aus. Sie ist eine mittelkettige Fettsäure mit der zusätzlichen gesund­heitsfördernden Eigenschaft, sich im menschlichen oder tierischen Körper in Monolaurin umzuwandeln. Monolaurin ist ein Monoglycerid, das gegen Viren, Bakterien und Protozoen wirkt. Es wehrt lipidumhüllte Viren (z. B. HI-, Herpes-, Cytomegalo- und Grippeviren) im menschlichen (und tierischen) Organismus ab, ebenso wie schädliche Bakterien und Protozoen. In einigen Untersuchungen wurde für freie Laurinsäure auch eine antimikrobielle Wirkung nachgewiesen.

Etwa sechs bis sieben Prozent der Fettsäuren sind Caprinsäure – ebenfalls eine mittelkettige Fettsäure mit einer ähnlich gesundheitsfördernden Wirkung, wenn sie im menschlichen oder tierischen Organismus zu Monocaprin umgewandelt wird. Nachgewiesenermaßen wirkt Monocaprin bei HIV antiviral und wird momentan sowohl auf seine antivirale Wirksamkeit gegen Herpes-simplex-Viren als auch seine antibakterielle Wirksam­keit bei Chlamydia und anderen sexuell übertragbaren Bakterien getestet.

In der Lebensmittelbranche ist seit langem bekannt, dass die funktionellen Eigenschaften des Laurinöls, insbesondere des Kokosöls, von anderen handelsüblichen Ölen nicht zu übertreffen sind. Bedauerlicherweise gelang es der heimischen Öl- und Fettindustrie in den USA in den späten 1930er und dann wieder in den 1980er und 1990er Jahren, den Verbrauch von Kokosöl aus wirt­schaftlichen Interessen zu unterdrücken. Infolgedessen verzichteten die Lebensmittelhersteller in den USA und den von den USA stark beeinflussten Staaten auf die Vorzüge der Laurinöle.

Aus den Fakten, die ich Ihnen im Laufe des Vortrags vorstellen werde, werden Sie erkennen, dass es (letztlich) der Verbraucher ist, der auf die vielfältigen gesund­heitlichen Vorteile, die der regelmäßige Verzehr von Kokosprodukten bietet, verzichten muss.

Die Wirksamkeit von Laurinsäure und Monolaurin gegen Viren, Bakterien und Protozoen ist einer kleinen Zahl von Forschern seit fast vier Jahrzehnten bekannt. Dieses Wissen zog mehr als 20 Forschungsarbeiten und etliche amerikanische Patente nach sich; außerdem entstand im letzten Jahr ein umfangreiches Buchkapitel über die wichtigen Aspekte von Laurinölen als antimik­robiell wirkende Mittel. In der Vergangenheit war sich der überwiegende Teil der Ärzte, Lebensmittel- und Ernährungswissenschaftler über die möglichen gesund­heitlichen Vorzüge, die der Verzehr von Lebensmitteln aus Kokos und Kokosöl bietet nicht bewusst. Dies ändert sich nun langsam.

Kabara (1978) und Mitarbeiter haben nachgewiesen, dass bestimmte Fettsäuren (FA von Englisch: „Fatty Acids“, z. B. mittelkettige Fettsäuren) und ihre Deri­vate (Monoglyceride, MG) eine schädliche Wirkung auf verschiedene Mikroorganismen haben können. Zu den Mikroorganismen, die auf diese Weise inaktiviert werden, gehören Bakterien, Hefen und andere Pilze sowie umhüllte Viren. Außerdem stellten sie fest, dass es sich bei der antimikrobiellen Wirkung der FAs und MGs um eine „additive Wirkung“ handelt und dass sie in hohen Konzentrationen die Viren unschädlich machen können.

Ob Lipide als antiinfektiös wirken, hängt von ihrer Struktur ab, ob es sich z. B. um Monoglyceride oder um freie Fettsäuren handelt. Monoglyceride sind „aktiv“, Di- und Triglyceride nicht. Unter den gesättigten Fettsäuren weist Laurinsäure eine höhere Antivirenaktivität auf als Caprylsäure (C-8), Caprinsäure (C-10) und Myristinsäure (C-14).

Nachgewiesenermaßen resultiert der tödliche Effekt von Fettsäuren und Monoglyceriden im Allgemeinen aus ihrer Fähigkeit, die Lipiddoppelschicht der Plasmamem­bran aufzulösen. Monolaurin ist für Viren deshalb so gefährlich, weil es die Lipide und Phospholipide in der Virushülle auflöst, was zur Zersetzung der Hülle führt. In jüngsten Studien wurde nachgewiesen, dass die anti­mikrobielle Wirkung auf Bakterien auf die Störung der Signalweiterleitung durch Monolaurin zurückzuführen ist, wohingegen sie bei Viren in der Störung der Reifung und des Wachstums von Viren durch die Laurinsäure besteht.

Dass die Monoglyceride der Laurinsäure (Monolaurin) auch antivirale Aspekte in ihrer Wirksamkeit gegen Mikroben zeigen, ist bereits seit 1966 bekannt. Einige der früheren Forschungsarbeiten von Hierholzer und Kabara (1982), in denen die tödliche Wirkung von Monolaurin auf umhüllte RNS- und DNS-Viren nachgewiesen wurde, erfolgten in Zusammenarbeit mit den „Zentren für Krankheitsbekämpfung“ des amerikanischen Öffent­lichen Gesundheitsdienstes. Für diese Studien wurden ausgewählte Virusprototypen und allgemein anerkannte charakteristische Stämme umhüllter menschlicher Viren benutzt. Die Hülle dieser Viren besteht aus einer Lipid­membran, die sie besonders angreifbar für Laurinsäure und deren Derivat Monolaurin macht.

Die mittelkettigen gesättigten Fettsäuren und ihre Derivate werden dadurch wirksam, dass sie die Lipid­membrane der Viren aufbrechen. Forschungen haben gezeigt, dass hinzugefügte Fettsäuren und Monogly­ceride sowie endogene Fettsäuren und entsprechend lange Monoglyceride in der Lage sind, umhüllte Viren, die in menschlicher Muttermilch oder in Kuhmilch vorkommen, zu inaktivieren.

Zu den Viren, die von diesen Lipiden inaktiviert werden können, gehören neben dem HI-Virus das Ma­sernvirus, das Herpes-Simplex-1-Virus (HSV-1), das Vesicular-Stomatitis-Virus (VSV), das Visna-Virus und das Cytomegalovirus (CMV). Die von den Lipiden inak­tivierten pathogenen Organismen sind auch dieselben, die für opportunistische Infektionen bei HIV-positiven Menschen verantwortlich sind. Beispielsweise gilt eine Begleitinfektion mit dem Cytomegalovirus bei HIV-positiven Menschen als ernsthafte Komplikation.

Bis heute scheint niemand aus der etablierten Ernäh­rungsfachwelt die zusätzlichen Möglichkeiten erkannt zu haben, die der Einsatz antimikrobieller Lipide in der Behandlung HIV-infizierter und aidskranker Menschen bedeuten könnte. Diese antimikrobiellen Fettsäuren und ihre Derivate sind für den Menschen im Wesentlichen ungiftig; sie werden im menschlichen Organismus gebildet, wenn ihm Nahrungsmittel mit ausreichenden Konzentrationen mittelkettiger Fettsäuren (z. B. Laurin­säure) zugeführt werden. Veröffentlichte Forschungs­arbeiten haben gezeigt, dass Laurinsäure unter den „inaktivierenden“ Fettsäuren eine der wirksamsten ist, wobei die Monoglyceride sogar noch wirksamer sind als die Fettsäure selbst.

Lipidumhüllte Viren sind wegen ihrer eigenen Lipid­bestandteile von den Lipiden des Wirts abhängig. Die Veränderbarkeit der Fettsäuren in der Nahrung eines Lebewesens ist mitverantwortlich für die Veränderbar­keit der Fettsäuren in der Virushülle und erklärt auch die Veränderlichkeit der Exprimierung des Glycoproteins – eine Veränderbarkeit, die die Impfstoffentwicklung erschwert.

Monolaurin scheint auf nützliche Darmbakterien keine schädliche Wirkung zu haben, sondern nur auf potentiell krankheitserregende Mikroorganismen. Isaacs und Mit­arbeiter wiesen beispielsweise bei den weitverbreiteten Erregern Escherichia coli und Salmonella enteritidis keine Inaktivierung durch Monolaurin nach, bei Haemo­philus influenza, Staphylococcus epidermidis und dem grampositiven Gruppe-B-Streptokokkus hingegen eine sehr starke Inaktivierung.

Zu den potentiell krankheitserregenden Bakterien, die Monolaurin inaktiviert, gehören Listeria monocyto­genes, Staphylococcus aureus, Streptococcus agalactiae, Gruppe-A-, F- und G-Streptokokken, grampositive Orga­nismen und, wenn sie mit einem Chelator vorbehandelt wurden, auch einige gramnegative Organismen.

Nachgewiesenermaßen sind etliche Hefen und andere Pilze sowie Protozoen durch Laurinsäure oder Monolau­rin inaktivier- oder zerstörbar. Unter diesen Pilzen sind auch verschiedene Arten von Pilzflechten.Chlamydia trachomatis wird durch Laurinsäure, Caprinsäure und Monocaprin inaktiviert. Mithilfe von monoca­prinhaltigen Hydrogelen können sexuell übertragbare Viren wie HSV-2 und HIV-1 und Bakterien wie Neisseria gonorrhoeae wirkungsvoll inaktiviert werden.

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