Artikel von Dr. Mary Enig (4. Teil)
IV. Die schädigende Rolle der amerikanischen Aktivistengruppe CSPI
Einige Vertreter der Speiseölindustrie, insbesondere die mit Verbindungen zur American Soybean Association, und einige der Verbraucherschutzorganisationen (darunter die Centres for Science in the Public Interest (CSPI), aber auch die American Heart Savers Association) untergruben den Status der natürlichen Fette weiter, indem sie die große Kampagne gegen gesättigte Fette und tropische Öle in den späten 1980ern finanziell unterstützten.
Im Grunde begann sich bereits 1972 in der CSPI eine Tendenz gegen gesättigte Fette abzuzeichnen, doch erst 1984 machte die äußerst stimmgewaltige Aktivistengruppe mit ihrer Kampagne Ernst. Damals richtete sich die Kampagne vor allem gegen „gesättigte“ Bratfette, besonders in den Schnellimbissen. Der größte Teil dieser sogenannten gesättigten Bratfette war auf Talgbasis hergestellt, die Kampagne bezog aber auch das Palmöl aus zumindest einer der Hotel- und Restaurantketten ein.
Dann veröffentlichte die CSPI im August 1986 eine „Pressemitteilung“ mit dem Titel: „Wie irreführend die Kennzeichnung von Pflanzenölen ist: Gesättigte Fette ohne die Fakten“, worin sie „Palm-, Kokos- und Palmkernöl“ als „reich an arterienverstopfenden gesättigten Fetten“ bezeichnete. Die CSPI erklärte weiterhin, dass sie die amerikanische Gesundheitsbehörde aufgefordert habe, Nahrungsmittel nicht mehr als „100 Prozent pflanzliches Backfett“ kennzeichnen zu lassen, sobald sie irgendein „tropisches Öl“ enthalten. Die CSPI forderte auch den obligatorischen Kennzeichnungszusatz „gesättigtes Fett“, wenn Kokos-, Palm- oder Palmkernöl auf dem Etikett namentlich aufgeführt waren.
1988 veröffentlichte die CSPI eine Broschüre mit dem Titel „Saturated Fat Attack“ (Angriff auf gesättigte Fette). Diese Broschüre enthält Listen mit „geprüften“ verarbeiteten Nahrungsmitteln aus Supermärkten in Washington. Die Listen gaben die gesättigten Fette in den Produkten an. Kapitel 3 trägt die Überschrift „Unerwünschte tropische Öle“ und lässt die Befürworter der Kennzeichnungspflicht, durch die tropische Öle abgewertet werden, zu Wort kommen. Diese Broschüre wies eine Menge schwerwiegender Fehler auf: So lieferte sie beispielsweise eine fehlerhafte Beschreibung der Biochemie von Fetten und Ölen und machte völlig falsche Angaben über die Fett- und Ölzusammensetzung vieler Produkte.
Zur selben Zeit, als 1986 die CSPI ihre Kampagne führte, startete die American Soybean Association ihre eigene Kampagne gegen tropische Öle, indem sie u. a. Hetzbriefe an die Sojabohnenbauern versendete. Die ASA schaltete Anzeigen für eine „Anleitung zur Bekämpfung von (tropischen) Fetten“ und stellte einen „Ernährungswissenschaftler“ zur Überwachung von Supermärkten in Washington ein, der die Lebensmittel auf ihren Gehalt an tropischen Ölen überprüfte.
Anfang 1987 forderte die ASA die FDA auf, die Kennzeichnungspflicht „tropische Fette“ einzuführen. Die Soybean Association setzte Mitte 1987 ihre aktive und wachsende Kampagne gegen tropische Öle fort. Am 3. Juni 1987 erschien in der New York Times der Leitartikel „Die Wahrheit über pflanzliche Öle“, worin Palm-, Palmkern- und Kokosöle als „die billigeren, arterienverstopfenden Öle aus Malaysia und Indonesien“ bezeichnet wurden und die Behauptung aufgestellt wurde, dass tropische Öle nicht den amerikanischen Ernährungsrichtlinien entsprechen würden, obwohl das keineswegs geklärt war. Die Bezeichnung „Arterienverstopfung“ stammte direkt von der CSPI.
1989, also zwei Jahre später, veranstaltete die ASA mit Unterstützung der CSPI eine Pressekonferenz in Washington als Gegengewicht zu einer am 6. März von der Palmöl-Vereinigung veranstalteten Pressekonferenz. Das ASA-Magazin Media Alert gab bekannt, dass das National Heart, Lung and Blood Institute und der National Research Council „Verbrauchern dazu rieten, Palm-, Palmkern- und Kokosöl zu vermeiden“.
Wenige Monate vor dieser Pressekonferenz hatte der Millionär Phil Sokolof, Leiter der National Heart Savers Association (NHSA), Anzeigen in großen Tageszeitungen als Vorläufer einer ganzen Reihe von Antiwerbungen gegen gesättigte Fette und tropische Öle geschaltet. Auch wenn niemand eine direkte Verbindung zwischen Sokolof (und der von ihm geleiteten NHSA) und der ASA herausfinden konnte, so prahlte zumindest die CSPI mit ihrer Beratertätigkeit für ihn.










