Okt
04
2008
0

Artikel von Dr. Mary Enig (3. Teil)

III. Die Ursachen der Antihaltung gegenüber gesättigten Fettsäuren und tropischen Ölen

Mehr als drei Jahrzehnte lang litt die Kokosindustrie unter den Diffamierungen verschiedener Verei­nigungen, etwa der Verbraucherschutzorganisation Centres for Science in the Public Interest (CSPI), der American Soybean Association (ASA), von Vertretern der Speiseölindustrie und der wissenschaftlichen und medizinischen Fachwelt, die ihre Fehlinformationen wiederum von Institutionen wie der CSPI und der ASA erhielten. Ich möchte einen kurzen Überblick darüber geben, wie es zu diesen Kampagnen gegen gesättigte Fettsäuren und tropische Öle kam, und Ihnen damit hoffentlich einen nützlichen Einblick in die Problematik geben.

Wann und wie begann die Geschichte der Antihaltung gegenüber gesättigten Fettsäuren? Sie fing in den späten 1950ern an, als ein Forscher in Minnesota behauptete, dass gehärtete Pflanzenfette die Ursache für das Anstei­gen der Herzkrankheiten seien. Die Speiseölindustrie reagierte damals mit der Behauptung, Ursache des Pro­blems sei allein das in den gehärteten Ölen vorhandene gesättigte Fett und kündigte an, zukünftig teilgehärtetes Fett zu verwenden, um das Problem zu beseitigen. In Wirklichkeit änderte sich nichts, denn bereits vorher waren die Fette teilgehärtet. Die Konzentrationen der gesättigten Fettsäuren blieben gleich, genauso wie die Konzentrationen der Transfettsäuren. Das Einzige, was sich wirklich änderte, war die Bezeichnung „hydriert“ oder „gehärtet“ auf dem Etikett.

Zur selben Zeit berichtete ein Forscher aus Philadel­phia, der Konsum von mehrfach ungesättigten Fettsäuren führe zur Senkung des Serumcholesterinspiegels. Jedoch hatte dieser Wissenschaftler verschwiegen, dass es zu dieser Senkung kam, weil das Cholesterin in die Gewebe wie beispielsweise Leber und Arterien gelangt war. Auf diese wissenschaftliche Veröffentlichung und die allgemeine Anerkennung dieser neuen Agenda re­agierte die Speiseölindustrie damit, dass sie sich immer mehr darauf konzentrierte, die in den Lebensmitteln vorkommenden „gesättigten Fette“ durch „mehrfach ungesättigte Fette“ zu ersetzen.

Wie viele von Ihnen wahrscheinlich wissen, ist der Nachdruck, der auf den Konsum ungesättigter Fette gelegt wurde, in verschiedener Hinsicht fehlgeschlagen. Gegenwärtige Korrekturvorschläge, wie sie Vereinigun­gen wie die Nationale Akademie der Wissenschaften (NAS) vorlegen, laufen darauf hinaus, die gesättigten Fette und die mehrfach ungesättigten Fette durch einfach ungesättigte zu ersetzen.

Zu den frühen Befürwortern der Antihaltung ge­genüber gesättigten Fetten gehörte die Corn Products Company (CPS International), die ein 1963 erschienenes Buch von Jeremiah Stamler 1966 in einer Fachausgabe herausgab. In diesem Buch wurden die ersten Angriffe gegen tropische Öle geführt. 1963 war Kokosöl das einzige tropische Öl, das als „reich an gesättigten Fetten“ herausgehoben wurde. Palmöl wurde zu jener Zeit auf dem amerikanischen Lebensmittelmarkt überhaupt nicht angeboten, es stellte keine wirtschaftliche Bedrohung für die heimischen Fette dar und wurde in keinem der frühen Texte erwähnt.

Die Redaktion der Consumer Reports schrieb, dass „[…] 1962 […] einer der Redakteure feststellte, dass der Durchschnittsamerikaner jetzt genau solche Angst vor Fetten hat wie früher vor Hexen“.

1965 wurde die American Heart Association (AHA) von einem Beauftragten der Firma Procter & Gamble Pharmaceuticals aufgefordert, in ihrem Bericht über die Wechselwirkungen zwischen Herzzustand und Ernährung jegliche Beziehung zu Transfettsäuren zu entfernen. Das in diesem Sinne geänderte offizielle Dokument ermutigte zum Verzehr teilweise gehärteter Fette. In den 1970er Jahren arbeitete eben dieser Ver­treter von Procter & Gamble in zwei leitenden ernährungswissenschaftlichen Positionen: als Versuchsleiter der National Heart, Lung, and Blood Institute’s Lipid Research Clinic (LRC) und als Direktor eines der LRC-Zentren. Die LRC-Versuche waren Auslöser für die NIH Cholesterol Consensus Conference 1984, aus welcher dann das Cholesterin-Aufklärungsprogramm der USA (NCEP) hervorging. Dieses Programm setzt sich für den Verzehr von Margarine und teilweise gehärteten Fetten ein und warnt vor dem Konsum größerer Mengen von Transfetten. Im offiziellen NCEP-Dokument heißt es, dass „Kokosöl, Palmöl und Palmkernöl […] vermieden werden sollten“.

In den Akten zu Fetten und Ölen des amerikani­schen Landwirtschaftsministeriums wird 1966 über die Instabilität ungesättigter Fette und Öle berichtet. An den gesättigten Fetten wurde keine Kritik geübt. Erst später sollte die kritische Haltung Einzug in die Behörde halten, als sie nämlich unter den Einfluss der amerikanischen Speiseölindustrie geriet und die „Amerikanischen Ernährungsrichtlinien“ entwickelte. In diesen Richtlinien offenbart sich die Antihaltung gegenüber gesättigten Fetten, und das hat sich bis heute nicht geändert. Dennoch, und darauf werde ich später zu sprechen kommen, gab es 1998 einen Umschwung in der Antihaltung der Behörde.

In den frühen 1970er Jahren betrieb die Speiseöl­industrie trotz der Bedenken etlicher Forscher gegen­über Transfetten eine Art „Drehtür-Tausch“: Sie trieb den wachsenden Bedarf teilweise gehärteter Pflanzenfette voran, indem sie gesättigte Fette verdammte und das Transfett-Thema unter den Tisch kehrte. Ein Beispiel für das „Ölglatte“ dieses Tausches ist die Ernennung des damaligen Chefsyndikus der FDA zum Präsidenten des Instituts für Backfette und Speiseöle (ISEO, Han­delsverband der Speiseölhersteller), dessen Stelle dann wiederum von der FDA mit einem Lebensmitteljuristen besetzt wurde, der bisher die Speiseölindustrie vertreten hatte.

Von diesem Moment an hinkte die Wahrheit über die tatsächlichen Wirkungen von Nahrungsfetten hinterher. Die amerikanische Speiseölindustrie sponserte das Informationsmaterial zur Schulung der Öffentlichkeit, und die auf natürlicher Basis arbeitende Molkerei- und Tierfettindustrie erwies sich als unfähig, diesen Infor­mationen etwas entgegenzusetzen. Kokos-, Palm- und Palmkernöl hatten, da sie in den USA nicht angebaut wurden, keine Position, um sich verteidigen zu können. Die für die Informationsverbreitung zuständigen Regie­rungsstellen ignorierten die protestierenden „einsamen Rufer“, und so hatten bis Mitte der 1980er Jahre sowohl die Lebensmittelhersteller als auch die Verbraucher ihren Fett- und Ölverbrauch größtenteils umgestellt – von sicheren gesättigten Fetten auf problematische Transfette. Enig und Fallon (1998-99) haben diesen Sachverhalt in dem Artikel „The Oiling of America“ festgehalten, der im englischen NEXUS 06/01-02 veröffentlicht wurde und unter www.nexusmagazine.com heruntergeladen werden kann.

Written by Chris Schmid in: Allgemein | Tags:, , , , ,
Sep
30
2008
0

Artikel von Dr. Mary Enig (1. Teil)

In einem Magazin haben wir einen interessanten Artikel von Dr. Mary Enig zu Kokosöl, dessen Inhaltsstoffe sowie einer Historie gefunden. Das Magazin (Nexus-Magazin) hat einer Veröffentlichung des Artikel zugestimmt.

Da dieser Artikel sehr lange ist, werden wir in in mehreren Teilen veröffentlichen.

Über die Autorin Dr. Mary Enig

Dr. Mary G. Enig hat an der University of Maryland einen Magister- und Doktortitel in Ernährungswissenschaften erworben. Sie ist Ernährungsberaterin und Biochemikerin von internationalem Rang und eine Expertin für die Analyse von Fetten und Ölen, für Stoffwechselfragen, für Lebensmittelchemie und die Zusammensetzung von Lebensmitteln sowie für Ernährung und Diätetik.

Dr. Enig ist Direktorin der Sektion Ernährungswissenschaften der Enig-Gesellschaft, sie ist Präsidentin der Ge­sellschaft der Ernährungswissenschaftler von Maryland und Mitglied des American College of Nutrition. Sie ist auch Vizepräsidentin der Weston A. Price Stiftung und Wissenschaftsredakteurin bei der Zeitschrift dieser Stiftung. Dr. Enig verfügt über langjährige Erfahrung als Lehrbeauftragte und hielt Vorlesungen im „Ernährungswissenschaft­lichen Programm“ der University of Maryland. Dort war sie auch Forschungsmitglied der Lipid-Forschungsgruppe in der Abteilung für Chemie und Biochemie. Außerdem führt sie eine kleine Praxis für Patienten, die Bedarf an einer Einschätzung ihrer Ernährungsweise und einer Ernährungsberatung haben.

Dr. Enig verfügt über vielfältige Erfahrungen in der ernährungswissenschaftlichen Beratung und Schulung von Einzelpersonen, medizinischen und anderen Gesundheitsvereinigungen, der nahrungsmittelverarbeitenden Industrie und von Regierungen auf Bundesstaats- und Staatsebene in den USA. Außerdem unterrichtet und arbeitet sie als Beraterin für internationale Gesundheits- und nahrungsmittelverarbeitende Vereinigungen. Seit 1995 wird sie zu Vorträgen und Fachtagungen nach Europa, Indien, Japan, Vietnam, Indonesien, in die Philippinen und nach Mikronesien eingeladen.

Dr. Enig ist Autorin zahlreicher Publikationen in Fachzeitschriften, hauptsächlich zu Studien über Fette und Öle und der Wechselwirkung von Nährstoffen und Medikamenten. Außerdem veröffentlichte sie das Buch „Know Your Fats“ (Bethesda Press, Silver Spring MD, Mai 2000). Sie ist eine bekannte Sprecherin in den Medien, war eine frühe Kritikerin der Verwendung von Transfetten und trat dafür ein, Transfette in die Kennzeichnungspflicht aufzunehmen.

Der folgende Vortrag wurde von Dr. Enig ursprünglich vor der APCC, der Gemeinschaft kokosnussproduzierender Länder, in Mikronesien gehalten.

Zusammenfassung

Kokosnüsse spielen eine wichtige Rolle für die menschliche Ernährung, weil sie eine Fülle an physiologisch funktionellen Inhaltsstoffen bieten, die sowohl im Fett der frischen und getrock­neten Kokosnuss als auch im Kokosölextrakt enthalten sind. Schon lange wurden die einzigartigen Eigenschaften der Laurin­säure (der Hauptfettsäure im Fettanteil der Kokosnuss) erkannt, die sie so wertvoll für Non-Food-Anwendungen in der Seifen- und Kosmetikindustrie macht. Nun wird die Laurinsäure wegen ihrer Wirkung gegen Viren, Bakterien und Protozoen auch wieder in der Lebensmittelindustrie verwendet. Auch die Caprylsäure, eine weite­re Fettsäure der Kokosnuss, ist jetzt in die Liste der antimikrobiellen Inhaltsstoffe der Kokosnuss aufgenommen worden. In größeren Mengen findet man diese Fettsäuren nur in herkömmlichen Laurin­fetten, insbesondere in dem der Kokosnuss. Neuere veröffentlichte Forschungsergebnisse lassen erkennen, dass natürliches Kokosfett als Bestandteil der Ernährung zu einer Normalisierung der Kör­perfettwerte führt, die Leber vor Alkoholschäden schützt und die entzündungshemmende Reaktion des Immunsystems verbessert. Die gesundheitsfördernden Funktionen der Fettsäuren aus Kokos­nüssen werden offenbar zunehmend erkannt. Aufgrund jüngster Berichte der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA, die eine Kennzeichnung der Transfettsäuren fordern, wird Kokosöl in eine wettbewerbsfähigere Position gehoben, was ihm zur Rückkehr in die Back- und Schnellimbiss-Industrie verhelfen kann, wo es seit jeher wegen seiner Funktionsvielfalt geschätzt wird. Jetzt kann es für eine weitere Eigenschaft Wertschätzung erlangen: die Verbesserung der menschlichen Gesundheit.

I. Die Vorteile von gesättigten Kokosöl-Fettsäuren

In meinem heutigen Vortrag möchte ich Sie auf den aktuellen Stand bringen, was die Neuentdeckung „funktioneller Lebensmittel“ als wichtige Bestandteile der Ernährung betrifft. Außerdem will ich die folgenden Themen ansprechen: die momentane Situation der Antihaltung gegenüber gesättigten Fettsäuren, den aktuellen Stand der Forschungen, die sich mit den gesundheitsfördernden Wirkungen gesättigter Fettsäuren im Vergleich zu den Wirkungen mehrfach ungesättigter Omega-6-Fettsäuren beschäftigt, sowie die gesund­heitsfördernden Wirkungen gesättigter Fettsäuren im Verhältnis zu den gefährlichen Wirkungen teilgehärteter Fette und Transfettsäuren. Ich werde Ihnen einen kur­zen Überblick geben über einige der überraschenden gesundheitlichen Vorteile der im Kokosöl enthaltenen Fettsäuren im Vergleich zu den ungesättigten Fettsäuren in den anderen Lebensmittelölen. Immer mehr zeigt sich der Nutzen der Inhaltsstoffe des Kokosöls; Laurin-und selbst Caprinsäure werden in wissenschaftlichen Artikeln zu Gesundheitsparametern immer öfter positiv erwähnt.

Okt
31
2007
0

Transfettsäuren – die bösen Fette !!!

Es gibt gute und böse Fette und zu allem Überfluss gibt es dann noch Transfette. Transfettsäuren erhöhen die Triglyceride und die LDL-Cholesterinwerte (schlechtes Cholesterin), sie senken die HDL- Cholesterinwerte (gutes Cholesterin). Außerdem erhöhen sie das Risiko für koronare Herzerkrankungen und an Diabetes Mellitus Typ II zu erkranken. Es gibt inzwischen viele wissenschaftliche Studien, welche die Wirkung von Transfetten auf den menschlichen Organismus untersucht haben.
Es gibt verschiedene Transfette, die man noch unterscheiden muss, zum Teil kann der menschliche Organismus diese abbauen (z.B. Vaccensäure, diese entstehen im Magen von Wiederkäuern).

Wie entstehen Trans-Fettsäuren?

Sie entstehen unter anderem im Magen von Wiederkäuern, wobei sie dort max. 5% betragen. In industriell gehärtetem Fett kann der Anteil an Transfettsäuren bis zu 70% betragen, sie entstehen auch bei der industriellen Härtung von Pflanzenölen, außerdem können sie auch durch die Erhitzung von Fetten entstehen.

Die so gehärteten Öle sind billig und werden nicht ranzig.

Wo kommen Transfettsäuren vor?

Transfette können in sehr vielen Lebensmitteln gefunden werden, z.B. Tiefkühlkost, Margarine, Backwaren, Snacks, Rindfleisch, Lammfleisch, Fisch. Pflanzliche Fette sind von Natur aus praktisch frei von Transfettsäuren.

In verschiedenen Ländern, z.B. den USA, Kanada, Argentinien und Uruguay. In Dänemark sind Lebensmittel verboten, in denen die Transfette mehr als 2% des Fettanteils ausmachen. Leider ist die Europäische Union noch nicht soweit, es wurde für die Mitgliedsstaaten noch keine Gesetzgebung veranlasst, wie mit Transfetten umzugehen ist.

Es gibt jedoch schon einige Lebensmittelhersteller, die das Problem erkannt haben und die künstliche Trans-Fettsäuren durch eine Mischung aus flüssigen Ölen mit festen natürlichen Fetten aus Palm-, Palmkern- und Kokosfett ersetzen.

Sie sollten auf jeden Fall sehr vorsichtig sein, wenn Sie bei Lebensmitteln auf der Verpackung oder dem Produkt hydrogeniert oder hydrogenated lesen können, denn dann könnten dort Transfette enthalten sein.

Hier zeigt sich mal wieder, dass die vielmals vorhandene „Geiz ist Geil – Mentalität“ nicht immer positiv für uns ist, denn gute Qualität hat halt immer noch ihren Preis.

Kokosnussöle, die nach der ANH-Methode hergestellt wurden, enthalten garantiert keine schädlichen Transfette.

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